Navigation: Viel Raum für Abenteuer

· Reiner Delgado

Wie ein DBSV-Team Wanderwochen vorbereitet und warum manches trotzdem anders kommt als gedacht

Reiner Delgado (links) und vier weitere Personen der Wandergruppe stehen lachend an einem steinigen Ufer. Sie tragen Outdoor-Jacken, Rucksäcke, Wanderschuhe und teilweise einen Langstock.
Reiner Delgado mit Teilnehmenden der Wanderwoche.  ·  Bild: Katerina Athanasiadou

Der DBSV hat 2025 und 2026 je eine Wanderwoche organisiert, bei der sehbehinderte und blinde Menschen ohne individuelle Begleitung mit ihrem Restsehvermögen, Langstock und Navigations-Apps selbst ihren Weg finden sollten. Dabei gerieten sie in Abenteuer, die man sonst eher nicht erlebt. Wichtig waren auch die Vorbereitungen, die zu treffen waren.

Mit aktuellen Navigations-Apps können sich Wanderfans mit Seheinschränkung auch eigenständig eine Wanderung organisieren. Das offSight-Team beim DBSV hat in der Vorbereitung der Wandertouren zusätzlich einige Hilfen bereitgestellt, die die Orientierung unterwegs erleichtern.

Landkarte aus dem Brailledrucker

Grundlage ist, mit Hilfe der App Komoot eine Wandertour zu planen. Das kann eine Route von A nach B sein oder eine Rundwanderung. Eine sehende Person sieht sich die von der App vorgeschlagenen Touren an und passt die Wege bei Bedarf an, damit sie nicht zu schwierig sind oder nicht kilometerweit an Hauptstraßen entlangführen.

Die Touren werden dann als PDF-Datei exportiert, damit Menschen mit Sehvermögen sich einen Überblick über die Wanderungen verschaffen können. Außerdem enthalten diese Dateien jeden einzelnen Navigationsschritt. Eine andere Kollegin erstellt eine Landkarte der Tour, die mit einem Brailledrucker ausgedruckt wird. So erhalten auch die blinden Teilnehmenden einen Überblick, wie die Wanderung verlaufen wird.

Schließlich werden die Touren in eine Datei mit Geodaten exportiert. Diese kann man in anderen Apps nutzen, zum Beispiel in speziellen Navigations-Apps für blinde Nutzerinnen und Nutzer.

Doch auch mit viel Vorbereitung bieten die Wanderungen viel Raum für Abenteuer. Die Navigation ist oft nicht metergenau. Wenn die App sagt „Jetzt rechts abbiegen“, sind es möglicherweise noch zehn Meter bis zur Abzweigung. Oft führt die Tour auch über schmale, fast zugewachsene Pfade, die man mit Langstock und Füßen kaum erkennt. So kann es passieren, dass man die richtige Abzweigung nicht erwischt und umkehren muss, um neu zu suchen. Manchmal muss man quer durch den Wald einen Abhang hochklettern, um wieder auf die Route zu kommen, oder über einen Bach springen.

Diese Art des Wanderns finden nicht alle blinden und sehbehinderten Menschen passend, aber die Teilnehmenden erfahren, dass sie vieles leisten und erreichen können, sie entwickeln ihre Orientierungsfähigkeiten und ihre Motorik, um auch auf schwierigen Wegen sicher Tritt zu fassen.

Schwerpunktthema: Navigation

Eine Wanderkarte auf Papier oder auf dem Handy lesen – nicht immer einfach. Einen Wegweiser oder ein Straßenschild erkennen und ihm folgen? Ebenso wenig. Wer schlecht oder gar nicht sieht, hat es oft schwer, den richtigen Weg zu finden. In unserem Schwerpunkt erzählen sehbehinderte und blinde Menschen, was ihnen hilft, nicht die Orientierung zu verlieren – oder sie zurückzugewinnen.

  • "Mit Apps, Langstock und vier Sinnen" ist Oliver Nadig unterwegs. Im Interview spricht er von vielfältigen Möglichkeiten, ein Ziel zu erreichen.
  • Eine DBSV-Wanderwoche bietet "viel Raum für Abenteuer". Wie die Vorbereitung aussieht und warum manches trotzdem anders kommt als gedacht.
  • "Erst planen, dann wandern" lautet die Devise von Jean-Christoph Rouanet. Wie er fremde Städte und Wanderwege erkundet und was in seinem Gepäck nie fehlen darf.
  • Yvonne gelangt "im Uhrzeitsystem zum Ziel" und erklärt, wie Navigations-Apps funktionieren, wenn die Wege über Stock und Stein führen.
  • Mit Führhund und Abenteuerlust ist Lisa Mümmler auch in unbekannten Gegenden unterwegs, denn die "KI-Brille hilft auf fremden Wegen".

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22.10.2025 –

Als ehemalige Software-Entwicklerin versteht Brigitte Buchsein viel von IT. Als blinde Nutzerin steht sie oft vor Barrieren, denen sie auf Websites und in Apps begegnet. Sie blickt trotzdem optimistisch in die digitale Zukunft.

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Format: Text / Schlagwort: Barrierefreiheit, Digitalisierung & Technik

Brigitte Buchsein hat langes lockiges helles Haar. Sie trägt ein Shirt mit Blumen und eine Kette mit einem kleinen Kreuzanhänger.