In fünf Workshops beschäftigten sich die Delegierten des Verbandstags mit Künstlicher Intelligenz, überregionaler Zusammenarbeit und der Medienversorgung der Zukunft. Sie gaben und erhielten viele Ideen für die eigene Vereinsarbeit und diskutierten mit anderen Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern über Möglichkeiten, sie zu verwirklichen.
Veranstaltungen planen mit Künstlicher Intelligenz
Wie Künstliche Intelligenz (KI) die Vereinsarbeit, insbesondere die Veranstaltungsplanung, unterstützen kann, zeigten Andrea Katemann und Dr. Thomas Krämer aus dem DBSV-Präsidium in ihrem Workshop. Die Teilnehmenden brachten unterschiedliche Vorkenntnisse mit – von ersten Berührungspunkten bis hin zur regelmäßigen Nutzung.
Anhand von Beispielen erläuterten die Vortragenden, wie KI bei der Ideenfindung für Veranstaltungen, dem Verfassen von Einladungen oder der Planung der Anreise zum Veranstaltungsort helfen kann. Dabei zeigte sich, dass die Bedienung, basierend auf dem Frage-Antwort-Prinzip, zwar einfach ist, gute Ergebnisse jedoch präzise Eingaben erfordern. KI-generierte Texte und Informationen müssen zudem stets sorgfältig geprüft werden.
Ein weiteres Thema waren Datenschutz, Schulungen und klare Leitlinien für den Einsatz von KI in der Vereinsarbeit. Als vergleichsweise barrierefreie KI-Anwendung wurde Gemini von Google vorgestellt. Mit Mistral wurde eine datenschutzfreundliche Alternative genannt, die allerdings noch nicht vollständig barrierefrei ist. Einig waren sich die Teilnehmenden darin, dass KI – richtig eingesetzt – insbesondere blinden und sehbehinderten Menschen die Recherche deutlich erleichtern kann.
KI in der Selbsthilfe: Chancen und Risiken
Um Künstliche Intelligenz ging es auch in einem weiteren Workshop. Darin gaben Judith Faltl und Thomas Schmitt vom Berufsförderungswerk Würzburg Impulse zum Thema „Maßgeschneiderte KI für die Selbsthilfe“.
Die Teilnehmenden lernten, dass KI vielseitig einsetzbar ist: Sie unterstützt beim Schreiben und Überarbeiten von Texten, bei Recherchen, Zusammenfassungen, Ideenentwicklung sowie
bei Bild- und Medienerstellung. Für noch genauere Ergebnisse können Organisationen eigene Dokumente hochladen, um KI gezielt für ihre Arbeit einzusetzen.
Gleichzeitig wurde klar: KI denkt nicht wie ein Mensch, sondern arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten und kann fehlerhafte Ergebnisse liefern. Entscheidend sind daher klare Eingaben, sogenannte Prompts. Hilfreich sind Fragen wie: Was wird benötigt? Für wen sind die Antworten gedacht?
Ein Schwerpunkt war der Datenschutz. Besonders in der Selbsthilfe wird oft mit sensiblen Daten gearbeitet. Deshalb muss genau geprüft werden, welche Informationen in KI-Systeme eingegeben werden dürfen. Lokale KI-Lösungen können hier mehr Sicherheit bieten. Es handelt sich um KI-Systeme, die auf dem eigenen Gerät oder im internen Netzwerk laufen, anstatt Anfragen an einen Cloud-Dienst zu senden. Die Daten verlassen das eigene Gerät oder Netzwerk nicht.
Erkenntnisse aus dem Workshop: KI ist ein hilfreiches Werkzeug, ersetzt aber keine menschliche Erfahrung. Entscheidend bleiben ein bewusster Umgang, gute Fragestellungen und die kritische Prüfung der Ergebnisse.
Mehr Menschen erreichen mit digitalen Angeboten
Im Workshop zu digitaler Kooperation bei überregionalen Online-Angeboten in der DBSV-Familie ging es um Veranstaltungen, Newsletter oder Podcasts, die über Bundesländergrenzen hinweg angeboten werden. Impulse dazu gaben Präsidiumsmitglied Ute Lutzenberger, Melanie Wölwer vom Landesverein Hamburg und Robbie Sandberg vom DBSV-Jugendreferat.
Die Landesvereine im DBSV nutzen meistens digitale Programme, aber auch „die gute alte Telefonkonferenz“ habe einen unschätzbaren Wert, stellten die Teilnehmenden des Workshops fest. Für das Angebot „Bei Anruf Kultur“ beispielsweise wählen sich Menschen aus ganz Deutschland telefonisch in eine Kulturführung ein.
Digitale Kooperationen eignen sich auch für Vorträge zu Gesundheitsthemen, angeleitete Trainingseinheiten oder regelmäßige Treffen überregionaler Gruppen. Online-Treffen erleichtern die Vereinsarbeit, waren sich alle einig. Es hat sich außerdem gezeigt, dass sie zu mehr Teilnahme bei Veranstaltungen vor Ort führen. Schwierigkeiten gibt es bei Förderungen, die sich nicht auf überregionale Programme übertragen lassen.
Online-Angebote sollen Präsenztreffen nicht ersetzen. Je nach Bedarf und Zielgruppe sollte sich für das eine oder das andere Format entschieden werden.
Zusammenarbeit über Grenzen hinweg
„Überregionale Kooperation – Attraktive Aktivitäten in Präsenz initiieren durch vereinsübergreifende Kooperationen“: So lautete der lange Titel eines weiteren Workshops. Ihn leitete Reiner Delgado vom DBSV, unterstützt von DBSV-Jugendsprecherin Marie Lampe und dem Direktor des Aura-Hotels Saulgrub, Louis März.
Jede Menge Angebote, bei denen überregional zusammengearbeitet wird, nannten die Teilnehmenden bereits in der Vorstellungsrunde. Marie Lampe berichtete von Veranstaltungen des DBSV-Jugendprojekts, mit denen junge Leute aus ganz Deutschland erreicht werden: Gemeinsam werde zum Beispiel gecampt, gewandert und Theater gespielt. Ebenso gibt es virtuelle Angebote.
Die Diskussion zeigte, dass vor allem, wenn es um bestimmte Zielgruppen geht – etwa Eltern und Kinder oder Menschen im mittleren Lebensalter – vereinsübergreifende Angebote gut angenommen werden. Zugleich wurde eine Schwierigkeit deutlich: Fördermittel würden oft nur für Mitglieder des antragstellenden Vereins gewährt.
Positiv hervorgehoben wurde die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen: Dadurch würden auch Mitglieder erreicht, die sonst weniger Teilhabemöglichkeiten hätten, etwa ältere Menschen auf dem Land.
Fachgruppenarbeit über die Grenzen von Landesvereinen hinweg funktioniert beispielsweise in Nordrhein-Westfalen. Christiane Möller vom DBSV sagte, dass es nicht in jedem Landesverein Fachgruppen für bestimmte Themen gebe, etwa zu Führhunden. Man müsse jedoch versuchen, auch denen eine Heimat anzubieten, deren Verein keine Fachgruppe habe.
Erste Kooperationen über Vereinsgrenzen hinweg bahnten sich bereits während des Workshops an.
Medien auch künftig barrierefrei gestalten
Welche Medien können blinde, seh- und lesebehinderte Menschen künftig barrierefrei nutzen? Dieser Frage widmeten sich die Teilnehmenden des Workshops zur „Medienversorgung der Zukunft“.
Über das absehbare Ende der Daisy-CD sprach Prof. Dr. Thomas Kahlisch vom Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen). Es müssten neue Lösungen für CD-Nutzende gefunden werden. Er stellte digitale Angebote, Telefonlösungen sowie ein geplantes DBSV-Projekt vor, das den Umstieg begleiten wird. Einigkeit bestand im Plenum, dass unterschiedliche Zielgruppen unterschiedliche Zugangswege benötigen und der Prozess durch Beratung begleitet werden muss.
Dr. Kai Kortus von der Philipps-Universität Marburg stellte in seinem Impuls fest: Moderne Bildungsmedien sind oft nicht barrierefrei. Was früher Sachbücher voller Texte waren, sind heute ausfüllbare PDFs mit Grafiken, Videos und interaktiven Aufgaben. Wenn diese nicht von vornherein barrierefrei konzipiert werden, ist die Nachbearbeitung aufwendig. Einzelbeispiele zeigen jedoch, dass es geht.
Im Workshop wurde diskutiert, inwiefern das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, das private Anbieter wie Verlage zu Barrierefreiheit verpflichtet, für mehr Zugänglichkeit im Bildungsmedienbereich sorgen kann. Gesetzt wird zum einen auf gemeldete Barrieren bei der Marktüberwachungsstelle, zum anderen werden die Möglichkeiten einer Verbandsklage geprüft.
Das Projekt „Chance Inklusion“ bringt adaptive und inklusive Medien in öffentliche Bibliotheken und erreicht so eine neue Zielgruppe. Caroline Schürer vom dzb lesen stellte es vor. Dank enger Zusammenarbeit mit dem dzb lesen nehmen 120 Bibliotheken in zwölf Bundesländern teil.
Schwerpunktthema: Verbandstag 2026
Delegierte aus 19 Landesvereinen und vielen korporativen Mitgliedsorganisationen trafen sich im Juni in Berlin zum Verbandstag. Das höchste Gremium des Verbands kommt alle vier Jahre zusammen, wählt ein neues Präsidium, beschließt Satzungsänderungen und entscheidet über Leitlinien und Grund-sätze für die künftige Verbandsarbeit. Wer gewählt und was beschlossen wurde, ist Thema des Schwerpunkts dieser Ausgabe.
- Was ein Verbandstag ist, was entschieden wurde und warum wir "Sichtbar stark in die Zukunft" gehen
- Hintergründe, Ziele und Persönlichkeiten: "Das neue Präsidium stellt sich vor"!
- "An Mut hat es uns noch nie gefehlt" und auch nicht an Zielen: Wohin der Prozess "DBSV 2030" führt und was sich auf seinen verschiedenen Arbeitsfeldern gerade tut
- Fünf Workshops liefern "Inspiration für die Vereinsarbeit": Von KI über überregionale Zusammenarbeit bis hin zur Medienversorgung der Zukunft
- "Auch ich hätte mir mehr gewünscht", sagt Bärbel Bas, die Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Ihre Ansichten zu geplanten Gesetzänderungen im Interview.