Der DBSV hat ein neues Präsidium. Es ist weiblicher und jünger geworden, denn mit Vreni Bock aus Hamburg wurde auch eine 23-jährige Studentin gewählt. Insgesamt sind nun fünf von neun Präsidiumsmitgliedern Frauen, drei Mitglieder sind neu in dem Gremium. Wer die alten und die neuen Mitglieder sind und wofür sie sich einsetzen möchten, zeigen die folgenden kurzen Portraits.
Wenn der Verbandstag des DBSV alle vier Jahre zusammenkommt, steht immer auch die Wahl eines neuen Präsidiums auf der Tagesordnung. In drei separaten Wahlgängen werden der Präsident oder die Präsidentin des DBSV, der Vizepräsident oder die Vizepräsidentin sowie sieben weitere Mitglieder gewählt.
Für die Spitzenämter stand diesmal jeweils ein Kandidat zur Verfügung: Zum Präsidenten wurde Amtsinhaber Hans-Werner Lange (Hannover) mit mehr als 96 Prozent der Stimmen gewählt. Dr. Thomas Krämer (Berlin) wurde mit über 90 Prozent der Stimmen erneut zum Vizepräsidenten gewählt.
Die sieben weiteren gewählten Mitglieder sind: Vreni Bock (neu), Jette Förster, Martina Hell (neu), Prof. Dr. Thomas Kahlisch, Andrea Katemann, Ute Lutzenberger und Bernd Peters (neu). Wir stellen alle Präsidiumsmitglieder und ihre Ziele im Folgenden vor.
Hans-Werner Lange
ist 69 Jahre alt, wohnt in Ronnenberg bei Hannover und ist blind.
Berufliches: 1985 bis 2022 Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenverbands Niedersachsen (BVN). Bis zu seinem Ruhestand im April 2025 auch Geschäftsführer der ProSenis GmbH, einer Tochtergesellschaft des BVN, die Senioreneinrichtungen betreibt
Ehrenamt: Seit seiner Jugend aktiv in Niedersachsen, später Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hannover. Seit 1985 verschiedene Funktionen beim DBSV, 2006 zu dessen Vizepräsidenten gewählt; seit 2022 Präsident. Lange Zeit im Landesbehindertenbeirat Niedersachsen, unterstützt das Gremium heute beratend
Er möchte …
- die Zusammenarbeit in der Blindenselbsthilfe bundesweit vertiefen und auf eine moderne verlässliche Basis stellen
- unsere Gemeinschaft so stärken, dass wir Herausforderungen gemeinsam, solidarisch und mit klarer Orientierung bewältigen können
- Menschen ermutigen, sich einzubringen, Engagement fördern und die Selbsthilfe als starke Stimme in Politik und Gesellschaft weiterentwickeln
Zitat:
"Mir ist es wichtig, dass wir gemeinsam Strukturen schaffen, die auch zukünftigen Generationen blinder und sehbehinderter Menschen echte Teilhabe ermöglichen."
Dr. Thomas Krämer
…ist 55 Jahre alt, lebt in Berlin und ist blind.
Berufliches: Diplom-Physiker, promoviert im Bereich Aufbau der Materie. Forschte dazu am Kernforschungszentrum CERN und am Forschungszentrum DESY. Arbeitete zunächst in der Medizintechnik als Wissenschaftler, und war später als European Patent Attorney für den gewerblichen Rechtsschutz zuständig. Technischer Geschäftsführer in einem Unternehmen der Verkehrstechnik, heute Geschäftsführer des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin
Ehrenamt: 16 Jahre lang Mitglied des Landesvorstands im Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB); seit zwölf Jahren im DBSV-Präsidium, seit 2022 Vizepräsident
Er möchte …
- sich für die kompromisslose Barrierefreiheit unserer Umwelt als Fundament für echte gesellschaftliche Teilhabe einsetzen
- den DBSV als Dachverband weiter strukturell stärken
- gezielt attraktive Angebote für aktive blinde und sehbehinderte Menschen schaffen, die mitten im Leben, in der Ausbildung oder im Beruf stehen
Zitat:
"Ich möchte meine gesamte Erfahrung einbringen, um für blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland ein Höchstmaß an Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit zu erreichen."
Vreni Bock
…ist 23 Jahre alt und lebt in Hamburg.
Berufliches: Studiert Sonderpädagogik auf Lehramt an der Universität Hamburg. Als Kulturberaterin und Autorin für Audiodeskription tätig
Ehrenamt: Seit 2023 in der studentischen Telefonseelsorge Hamburg aktiv. Engagiert sich seit August 2025 im Verein „anti-ableistisches Netzwerk“
Sie möchte…
- Barrieren im Alltag, im Bildungssystem und im öffentlichen Raum nicht nur sichtbar machen, sondern sie politisch offensiv angreifen
- sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche im DBSV auch in Zukunft die Ressourcen und Angebote bekommen, um sich durch diese gegenseitig bestärken zu können
- eine Antwort geben auf eine Realität, in der jungen behinderten Menschen noch immer viel zu oft nichts zugetraut wird, in der von ihnen Anpassung verlangt wird oder sie ausgeschlossen werden, weil man für eine Teilhabe angeblich „sehen können muss“
Zitat:
"In Zeiten, in denen die Eingliederungshilfe gekürzt und unsere sozialen Sicherheitssysteme angegriffen werden, brauchen wir eine selbstbewusste Jugend. Eine Jugend, die heute als Jugend und morgen im Erwachsenenalter für ihre Rechte einsteht und kämpft."
Jette Förster
…ist 39 Jahre alt, lebt in Hannover und ist blind.
Berufliches: Leitet den Geschäftsbereich Eingliederungshilfe bei der ProSenis GmbH, einer Tochtergesellschaft des BVN, die Senioreneinrichtungen betreibt
Ehrenamt: Seit zwölf Jahren DBSV-Präsidiumsmitglied. Zuvor in der DBSV-Jugendarbeit aktiv. Vorsitzende der Jury des Deutschen Hörfilmpreises
Sie möchte…
- sich dafür einsetzen, dass die Selbsthilfe eine tragende Säule unserer vielfältigen Gesellschaft bleibt
- die weibliche Perspektive nicht nur sozialpolitisch, sondern vielmehr auch sozial stärken
- sich weiterhin für Audiodeskription starkmachen
Zitat:
"Ich möchte dafür sorgen, dass die verschiedenen Lebenswege und Entscheidungen von erblindeten Frauen sichtbar werden, um zu zeigen, wie bunt unsere Gemeinschaft ist."
Martina Hell
…ist 44 Jahre alt, lebt in Aßling in Oberbayern und ist blind.
Berufliches: Ausgebildete Informatikkauffrau. Arbeitet derzeit als IT-Fachadministratorin in der Zentralen IT der Erzdiözese München und Freising. War zeitweise beim DBSV-Jugendclub beschäftigt.
Ehrenamt: Seit 1999 engagiert in der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe, anfangs als Jugendreferentin des BBSB. Heute Elternreferentin im BBSB und stellvertretende Sprecherin des Forums Arbeit und Beruf
Sie möchte…
- sich einsetzen für die Vernetzung und der Austausch zwischen den Landesverbänden
- die Interessenvertretung blinder und sehbehinderter Menschen stärken
- sich für die politische Arbeit zur Sicherung und Weiterentwicklung von Nachteilsausgleichen engagieren
Zitat:
"Gemeinsam mit den Landesverbänden möchte ich dazu beitragen, die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen wirksam zu vertreten und die Zukunft unseres Verbands aktiv mitzugestalten."
Prof. Dr. Thomas Kahlisch
…ist 63 Jahre alt, lebt in Leipzig und ist blind.
Berufliches: Promovierter Diplominformatiker; er leitet das Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen in Leipzig
Ehrenamt: Seit 1978 Mitglied der Blinden- und Sehbehinderten-Selbsthilfe. Von 1994 bis 2006 Mitglied des Landesvorstands des Blinden-und-Sehbehinderten-Verbandes Sachsen. Seit 2006 Mitglied des DBSV-Präsidiums
Er möchte…
- sich für digitale Barrierefreiheit engagieren, besonders in den Bereichen Medienversorgung und im wachsenden Feld der smarten Mobilität
- als Pate Landesverbänden zur Seite stehen und zusammen mit den Mitgliedern der Verbände politisch und gesellschaftlich aktiv werden
- sich dafür einsetzen, dass die Erholungs- und Reha-Einrichtungen für unsere Personengruppe erhalten bleiben können bzw. auf wirtschaftlich funktionierende Füße gestellt werden
Zitat:
"Ich glaube, dass die Arbeit in der Selbsthilfe sehr wertvoll ist und mir die Gelegenheit gibt, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben und dass ich für mich selbst viel wertvolles Wissen und Erfahrungen zurückerhalte."
Andrea Katemann
…ist 51 Jahre alt, lebt in Marburg und ist blind.
Berufliches: Hat Germanistik und Politik auf Lehramt studiert. Leiterin der Deutschen Blinden-Bibliothek und Koordinatorin des Teams für digitale Barrierefreiheit an der Deutschen Blindenstudienanstalt (blista).
Ehrenamt: stellvertretende Vorsitzende von Medibus (Mediengemeinschaft für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen). 20 Jahre im Vorstand des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS), in der Redaktion von dessen Zeitschrift „Horus“. Seit 2022 Mitglied im DBSV-Präsidium
Sie möchte…
- sich für den Zugang zu barrierefreien Informationen für sehbehinderte, hörbehinderte sowie taubblinde Menschen einsetzen und die Vermittlung von Kompetenzen zu Hilfsmitteln jeglicher Art unterstützen
- die Diskussionen rund um das Thema künstliche Intelligenz für blinde und sehbehinderte Menschen in Bezug auf Chancen und Risiken intensiv führen
- sich massiv für demokratische Werte einsetzen, damit die Interessen von allen gehört und berücksichtigt werden können
Zitat:
"In sämtlichen Gremien und Organisationen habe ich mich bisher für die Themen Braille, mediale Versorgung sowie digitale Barrierefreiheit eingesetzt und möchte dies auch weiterhin machen."
Ute Lutzenberger
…ist 55 Jahre alt, lebt in Nürnberg und ist blind.
Berufliches: Hat Deutsch und Englisch auf Lehramt studiert. Arbeitet seit 25 Jahren in der von ihrem Mann gegründeten Firma ProTak (Hilfsmittelbereich), heute dessen Geschäftsführerin
Ehrenamt: Im BBSB aktiv in den Arbeitskreisen Frauen und Eltern sowie im Ausschuss ihrer BBSB-Bezirksgruppe. Seit 2022 Mitglied des DBSV-Präsidiums, seit 2024 Frauenbeauftragte des Verbands
Sie möchte…
- öffentliche Anlässe schaffen und nutzen, um den großen Stellenwert zu verdeutlichen, den die Blindenschrift hat
- Menschen in Bewegung bringen, damit sehbehinderte und blinde Menschen in der Gesellschaft gesehen und wahrgenommen werden
- mehr blinde und sehbehinderte Menschen zu ehrenamtlichem Engagement motivieren
Zitat:
"Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft ist es in meinen Augen ein großer Vorteil, wenn die Frauenbeauftragte einen direkten Kontakt zum Präsidium hat."
Bernd Peters
…ist 62 Jahre alt, lebt in Ilsenburg im Harz und ist sehbehindert.
Berufliches: Ausbildung zum Physiotherapeuten in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz. Leitete von 2005 an die Beratungsstelle Magdeburg des Blinden- und Sehbehindertenverbands Sachsen-Anhalt (BSVSA). Baute mit anderen die Blickpunkt-Auge-Arbeit in seinem Bundesland auf, dort war er bis 2023 als Koordinator tätig. Von 2017 bis 2023 Geschäftsstellenleiter des BSV Sachsen-Anhalt.
Ehrenamt: Seit Anfang der Siebzigerjahre in der Selbsthilfe aktiv, anfangs als Schüler im Blinden- und Sehschwachenverband der DDR, Bezirk Magdeburg. Engagierte sich in der Fachgruppe der medizinischen Berufe und leitete diese einige Zeit in Sachsen-Anhalt. In Leitungsteams der Koordinierungsstellen „Leben mit Sehbehinderung“ und „Hilfsmittelberater“ aktiv. Vertritt den DBSV im Ligaausschuss des Blindenfußballs und wirkt beim AMD-Netz mit. Im BSVSA Beauftragter für die Belange Sehbehinderter, für Hörfilm und Tourismus sowie für digitale Kommunikation. Von 2018 bis 2022 Mitglied des DBSV-Präsidiums
Er möchte…
- das Thema Ehrenamt weiter voranbringen – mit der Hilfe aus den Landesvereinen und dem Präsidium
- sich für die Belange von Menschen mit Sehbehinderung starkmachen
- digitale Barrierefreiheit erreichen und das nicht nur im öffentlichen Bereichen
Zitat:
"Am wichtigsten ist mir, dass wir mit unserer Arbeit im Präsidium möglichst viele Menschen in Deutschland erreichen. Dabei ist die Gewinnung von Mitgliedern in der DBSV-Familie sehr bedeutsam. Es sollte auch wieder eine offene und ehrliche Streitkultur in unserer Gesellschaft möglich sein."