Was hoffen Menschen mit Augenerkrankungen? Wir haben einige von ihnen gefragt. Sie erzählen über ihre Hoffnungen in Bezug auf ihre Augenkrankheit, auf die Politik oder auf ihr persönliches Leben. Sie alle bewegt etwas, das sie auf eine Veränderung, eine Verbesserung in der Zukunft hoffen lässt. Ihre Antworten können ein Anstoß sein, sich selbst zu fragen: Was hoffe ich?
Augenkrankheit stoppen
Meine große Hoffnung ist, dass doch noch mal in den nächsten Jahrzehnten eine Lösung gefunden wird, wie man die Augenerkrankung Retinitis pigmentosa wenigstens stoppen kann. Vielleicht wird sie in ein bisschen fernerer Zukunft sogar heilbar sein, sodass andere Generationen davon profitieren können. Das ist meine große Hoffnung.
Die Wissenschaft hat sich in den vergangenen Jahren so stark entwickelt, dass ich denke, wenn es so weitergeht, dann gibt es bestimmt mal eine Lösung. So hoffe ich.
Meine große persönliche Hoffnung ist, dass ich mal mit den Hurtigruten in die Fjorde Norwegens fahren kann. Ich suche eine sehende Begleitung, die mitfährt, und vielleicht wird diese Hoffnung auch einmal erfüllt werden. Mir haben Menschen schon oft gesagt, das sei ihre schönste Reise gewesen. Ich liebe dieses Schroffe, die wilde Natur, und mag es auch, sie vom Schiff aus zu sehen.
Weitermachen
Meine Hoffnung ist, dass auch mit schwindendem Augenlicht das Leben noch lebenswert und schön ist und ich immer den Mut finde weiterzumachen, weiterzugehen. Ich wünsche mir, Freude am Leben und mal den richtigen Menschen an meiner Seite zu haben.
Nicht aneinander vorbeireden
Meine Hoffnung ist, dass sich Politikerinnen und Politiker besser verstehen und aus ihren Gesprächen Ergebnisse hervorgehen. Ich hoffe, dass etwas bewegt wird und nicht immer aneinander vorbeigeredet wird. Denn dann passiert überhaupt nichts. Sowohl in Deutschland als auch in der Welt reden in der Politik viele aneinander vorbei, viele Egoisten sind dabei, und es kommt nichts zustande, was den Menschen hilft.
Momentan sehe ich noch keinen Hoffnungsschimmer, aber mit realistischem Blick: Es kann nicht so weitergehen, sonst fährt die Welt vor die Wand.
Vorankommen mit Inklusion
Ich hoffe, dass wir beim Thema Inklusion weiter vorankommen – Inklusion in Bezug auf Schule, auf den Arbeitsplatz, aber vor allen Dingen auch unter den Menschen überhaupt. Einfach, dass es normal ist, Menschen mit Behinderungen im Alltag zu sehen, dass es viel mehr zum Bild in der Gesellschaft dazugehört.
Weiterhin forschen
Thema Retinitis pigmentosa: Ich habe die Hoffnung, dass es vielleicht in der nächsten oder übernächsten Generation soweit ist, dass es eine Heilung oder einen Stillstand der Augenkrankheit geben könnte. Die USA sind ja meistens vier, fünf Jahre gegenüber Deutschland voraus – ich hoffe, dass die Forschungsgelder dort nicht gestrichen, sondern weiterhin bewilligt werden, sodass die Forschung weiter auf Hochtouren laufen kann.
Vernünftig werden
Ich habe die Hoffnung, dass bei dem Rechtsruck in Deutschland die Leute doch vernünftig werden und sich genau überlegen, wen sie da eigentlich wählen und sich vorher mit dem Parteiprogramm auseinandersetzen.
Stabilität erhalten
Ich hoffe, dass es der Politik und uns allen als Gesellschaft gelingt, stabile Rahmenbedingungen zu erhalten. Die sind notwendig, damit jeder einzelne sein Leben mit Zuversicht in die Hand nehmen kann.
Das sage ich vor allem als Vater von zwei Söhnen im Teenageralter. Ich beobachte, dass dieser Generation oft der Halt und die Orientierung fehlen, die für mich damals gegeben waren. Konkret bedeuten stabile Rahmenbedingungen: die Sicherung sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit auch für die kommenden Generationen, die Verteidigung unserer Demokratie nach innen und nach außen und der Erhalt unserer globalen Lebensgrundlage.
Schwerpunktthema: Hoffnung
Hoffnung in scheinbar hoffnungslosen Zeiten: Um dieses Gefühl, diese Tugend, diese Haltung geht es in unserem Schwerpunkt. Menschen berichten, worauf sie hoffen. Einen tiefen Einblick in die Geschichte des Begriffs und was Hoffnung für Menschen in ihren jeweiligen Epochen bedeutete, erhalten alle, die zwei Bücher zum Thema lesen. Wir stellen sie vor. Die Berichte, die Bücher und auch die Zitate bekannter Frauen inspirieren zum Nachdenken über eigene Hoffnungen.
- Wir haben Menschen mit Augenerkrankungen gefragt, was sie „hoffen – für sich und für andere“. Ihre Antworten betreffen sowohl das Sehen, die Politik als auch das Leben selbst.
- Mit „Hoffnung von der Antike bis heute“ beschäftigen sich die Autoren Philipp Blom und Jonas Grethlein. Wir stellen beide Werke vor.
- „Hoffnung ist das Ding mit Federn“ für Emily Dickinson. Mit starken Worten haben sieben berühmte Frauen ihre Gedanken zum Thema Hoffnung festgehalten.