Aus dem Kurznachrichtendienst Twitter, dessen Logo ein kleiner blauer Vogel war, wurde die Plattform X. Seitdem haben viele Nutzerinnen und Nutzer den Dienst verlassen, denn X hat fragwürdige Geschäftspraktiken. Der DBSV hat über Twitter viele Menschen erreicht, sucht jedoch zurzeit, wie viele andere Organisationen, nach Alternativen. Antje Olzem, eine der Social-Media-Redakteurinnen des DBSV, erläutert die Hintergründe.

Im November 2016 startete der DBSV seinen Twitter-Account, begann also, kurze Nachrichten über den Kurznachrichtendienst Twitter zu verbreiten. Nachdem Twitter die Bildbeschreibung möglich gemacht hatte und wir uns die Adresse @DBSV gesichert hatten, konnte es losgehen. Ein paar Monate zuvor hatte unser Jugendclub (@DBSV_Jugendclub) erste Schritte gewagt, und schon seit 2015 war unser Referat Internationales (@DBSV_Germany) dabei.
In unserer Strategie war Twitter die Plattform, auf der wir uns mit anderen Verbänden und Aktivisten vernetzen, Politik und Medien erreichen, aufklären, informieren und unsere Forderungen deutlich machen konnten. Für den DBSV war der Kanal ein Erfolgsmodell – mit guter Reichweite, Interaktion und stetigem Zuwachs an Followern.
Seit Elon Musk im Oktober 2022 den Kurznachrichtendienst übernommen hat, hat sich die Plattform jedoch stark verändert. Es begann damit, dass der Name Twitter zu X wurde. Musk entließ einen Großteil der Beschäftigten und setzte mit den ersten Entlassungswellen auch das Accessibility-Team, zuständig für Barrierefreiheit, an die Luft.
Für uns war dieses Team die Adresse für Verbesserungsvorschläge und Garant dafür, dass Twitter sich in Sachen Barrierefreiheit stetig weiterentwickelte. Zuletzt zum Beispiel mit der Einführung der Buchstaben ALT für „Alternativtext“ als ein Kennzeichen auf jedem Bild, für das es im Post eine Bildbeschreibung gibt.
Auch viele, die für die Moderation von Inhalten zuständig waren, wurden entlassen. Daraufhin nahm der Anteil an Falschinformationen und Desinformation stark zu. Ein Bezahl-Modell wurde eingeführt, bei dem sich Nutzende einen blauen Haken zur Verifizierung ihrer Accounts und zusätzliche Funktionen, wie eine Erhöhung der Zeichenzahl für Beiträge, erkaufen können. Auf längere Sicht will Musk das Netzwerk zu einer Allzweck-App ausbauen, die nicht nur Text-, Bild-, Video- und Audio-Inhalte, sondern auch Zahlungs- und weitere Online-Dienste bieten soll.
Reichweite zurückgegangen
X steht seit der Übernahme in der Kritik und hat stark an Wert und viele Werbekunden und Nutzerinnen und Nutzer verloren. Auch Musk als Person macht durch fragwürdige und manchmal geschmacklose Posts auf sich aufmerksam.

Für den Account des DBSV fällt auf, dass die Reichweite der Beiträge deutlich zurückgegangen ist. Einige unserer Follower haben ihre Accounts gelöscht. Zugleich hat sich aber bisher (Stand Januar 2024) leider keine Plattform herauskristallisiert, die das leisten könnte, was das Netzwerk bisher geleistet hat.
Auf der Suche nach Alternativen gibt es für uns zwei Fragen: Wohin gehen die Menschen, die wir erreichen wollen, und wie steht es dort mit der Barrierefreiheit? Wenn die momentane Entwicklung auf X sich fortsetzt, sollte der Kanal des DBSV mittelfristig stillgelegt werden. Wir bereiten uns darauf vor und versuchen – auch in Vernetzung mit anderen – dafür eine Strategie zu erarbeiten.
Alternativen zu X
Für alle, die nun X, ehemals Twitter, verlassen wollen, stellt sich die gleiche Frage: Wohin wechseln? Aktuell gibt es keine Plattform, die Twitter als das ersetzt, was es einmal war: eine schnelle Informationsquelle, ein Ort des politischen Diskurses, von persönlichem Austausch und gesellschaftlichem Engagement. Die Social-Media-Plattform, die regelmäßig in den Tagesnachrichten zitiert wird. Ein Kurznachrichtendienst, der meist schneller ist als die klassischen Medien. Hier ein Blick auf ein paar Alternativen.
- Mastodon: Lieblingskind
Mastodon gibt es schon seit 2016. Die in Berlin ansässige Plattform ist nicht gewinnorientiert, dezentral organisiert und Lieblingskind der Datenschutzbeauftragten. Nach der Musk-Übernahme war der Server des Gründers Eugen Rochko nach kurzer Zeit überfüllt, der große Durchbruch blieb aber aus. Auch der DBSV hat auf Mastodon einen Account angelegt, um einen ersten Eindruck zu gewinnen und „den Fuß in der Tür“ zu haben. Von blinden und sehbehinderten Usern lässt sich die Plattform laut Erfahrungsberichten gut nutzen. - Bluesky: geheimnisvoll
Die Plattform des Twitter-Gründers Jack Dorsey war die nächste, die heiß gehandelt wurde. Etwas geheimnisvoll, denn der Zutritt wird nur per Einladungslink gewährt. Wir haben unser Netzwerk genutzt, einen Link ergattert und einen Account angelegt. Es gibt immerhin Alternativtexte für Bilder aber die sonstige Barrierefreiheit für blinde Nutzerinnen und Nutzer lässt laut Erfahrungsberichten noch zu wünschen übrig. - Threads: Teil des Meta-Konzerns
Seit Dezember 2023 ist die Plattform Threads auch in Europa online. Sie gehört zum Meta-Konzern von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Der Kurznachrichtendienst ähnelt auf den ersten Blick Twitter, die Zielsetzung ist aber eine andere: Politik und Nachrichten sollen – wenn es nach den Entwicklern geht – nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Threads will die dezentrale Struktur verwenden, die auch Mastodon nutzt. Das heißt: Über ein sogenanntes „offenes Protokoll“ können verschiedene Social-Media-Plattformen miteinander kommunizieren. Beispielsweise könnte man von Mastodon aus auch Threads-Accounts folgen, lesen und kommentieren und umgekehrt. Meta verspricht sich davon vermutlich einen Wettbewerbsvorteil.
Anmelden können sich alle, die bereits einen Instagram-Account besitzen. Zur Barrierefreiheit können wir aktuell noch keine Bilanz ziehen.
Zurzeit lässt sich bei vielen Organisationen im sozialen Bereich eine Aufspaltung beobachten: Da niemand weiß, wo die Reise von X hingeht, sichert man sich auf mehreren Plattformen ein Benutzerkonto. Wer die Kapazitäten hat, postet auch auf allen Kanälen.
Schwerpunktthema Die DBSV-Medienwelt
Sie ist vielfältig, sie ist bunt und sie wächst: Die Medienwelt des DBSV hat sich in den vergangenen Jahren stark vergrößert – natürlich auch aufgrund der Digitalisierung. Und nun kommt ein weiteres Medium hinzu: Sichtweisen-online heißt die Website, auf der von nun an vertraute und neue Inhalte des Magazins zu finden sind. Welche Chancen das bietet und wie reichhaltig die Medienwelt des DBSV noch ist, zeigt dieser Schwerpunkt.
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