AMD: Wie die Altersabhängige Makuladegeneration das Sehen verändert

· Ute Stephanie Mansion

Eine weitverbreitete Augenkrankheit ist die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Obwohl sie viele Menschen betrifft und von Fachleuten als Volkskrankheit bezeichnet wird, ist das Wissen über sie in der Bevölkerung gering. Wer sich erstmals einen Überblick über die Krankheit verschaffen oder seine Kenntnisse über AMD auffrischen möchte, erfährt im folgenden Beitrag die wichtigsten Fakten.

Ein leicht unscharfes Bild vom Brandenburger Tor, das in der Mitte eine schwarze, strahlenförmige Unschärfe hat, die Teile des Tors verdeckt.
Bild: Pro Retina

Die Altersabhängige oder Altersbedingte Makuladegeneration, kurz AMD, ist die häufigste Erblindungsursache in Deutschland. Mit Blindheit ist hier gemeint, dass der Visus, also die Sehschärfe, 0,02 oder schlechter ist. Das äußere Gesichtsfeld ist bei AMD in der Regel auch in einem späten Stadium nicht betroffen, sodass es den Patientinnen und Patienten möglich ist, sich räumlich zu orientieren. Die Ursachen für AMD sind nicht genau bekannt – sowohl erbliche als auch Umweltfaktoren werden vermutet. Rauchen gilt als ein Hauptrisikofaktor bei der Entstehung einer AMD.

Die Zahl der Betroffenen mit einer späten Form der AMD wird auf rund 500.000 in Deutschland geschätzt, rund ein Prozent der 65- bis 74-Jährigen und rund fünf Prozent der der 75- bis 84-Jährigen haben eine solche Form der AMD. Weitaus mehr Menschen weisen eine sehr frühe Form der degenerativen Erkrankung auf, die jedoch in diesem Stadium nicht zu einer spürbaren Sehverschlechterung führt. Fachleute schätzen ihre Zahl auf zwischen sieben und siebeneinhalb Millionen. Bei den über 75-Jährigen treten Ablagerungen auf der Netzhaut bei mehr als einem Drittel auf.

Scharfes Sehen nicht mehr möglich

Die Makula – auch gelber Fleck genannt – ist ein nur wenige Quadratmillimeter großer Fleck auf der Netzhaut. Sie enthält die Stelle, die für das scharfe Sehen zuständig ist: Dadurch wird das Lesen, das Erkennen von Gesichtern und kleiner Details sowie das Unterscheiden von Farben möglich. Abbauprodukte auf der Makula werden von der darunterliegenden Gewebeschicht, dem Pigmentepithel, entsorgt, es handelt sich also um einen Stoffwechsel. Mit zunehmendem Alter kann es Störungen bei diesem Stoffwechsel geben: Abbauprodukte, sogenannte Drusen, lagern sich unter der Netzhaut ab. Als Reaktion auf die Ablagerungen kann es zu Gefäßeinsprossungen oder Zelluntergang kommen. Für die Betroffenen bedeutet dies einen Sehverlust im Bereich des scharfen Sehens. Je nach Form und Stadium der AMD werden

  • Gegenstände oder Gesichter unscharf, verschwommen, mit Schatten oder verzerrt wahrgenommen
  • die Blendempfindlichkeit ist erhöht
  • und es kann ein dunkler Fleck in der Mitte des Gesichtsfelds auftreten.

Zwei Formen: Trockene und feuchte AMD

Zu unterscheiden sind die trockene und die feuchte AMD. Bei 85 Prozent der Patientinnen und Patienten liegt die trockene AMD vor. Es gibt eine frühe, eine mittlere und eine späte Form der trockenen AMD. In der frühen Phase sind Drusen, also Ablagerungen, erkennbar; das Sehen ist etwas beeinträchtigt, zum Beispiel werden Farben blasser wahrgenommen. Schreitet die Krankheit fort, verschlechtert sich das Sehen weiter. Im Spätstadium der trockenen AMD, das „geographische Atrophie“ genannt wird, sterben Photorezeptoren ab, das Sehen verschlechtert sich weiter, und es kann zu Blindheit wie oben beschrieben kommen.

Die feuchte AMD, die auch neovaskuläre oder exsudative AMD heißt, schreitet schneller voran als die trockene. Sie kann sich aus der trockenen Form entwickeln. Bei der feuchten AMD sprießen kleine Gefäßknospen unter und in die Netzhaut. Sie sind undicht, darum schwillt die Netzhautmitte an und lagert Wasser ein: So entsteht ein Makulaödem. Aus den Gefäßknospen kann es auch bluten. In einem fortgeschrittenen Stadium bilden sich Narben, und Sehzellen können zugrundegehen.

Trockene AMD, der Pfeil zeigt auf kaum sichtbare Veränderungen.
Berufsverband der Augenärzte (BVA)
Beginnende feuchte AMD, ein Pfeil zeigt auf erste Veränderungen auf der Netzhautmitte.
Berufsverband der Augenärzte (BVA)

In Europa kein Medikament gegen trockene AMD

Weltweit wird daran geforscht, AMD wirksam zu behandeln. Für die trockene AMD gibt es in Europa noch kein zugelassenes Medikament, das das Fortschreiten der Krankheit verzögert oder verhindert. In den USA werden die Wirkstoffe Pegcetacoplan und Avacincaptad Pegol zur Behandlung der geographischen Atrophie eingesetzt. Sie werden in den Glaskörper des Auges gespritzt. Die Europäische Arzneimittelagentur hat die Wirkstoffe jedoch für Europa nicht zugelassen, weil ihr der Nutzen für die Patientinnen und Patienten zu gering erscheint.

Die feuchte AMD wird hingegen auch hierzulande schon lange mit Injektionen in den Glaskörper behandelt. Die verwendeten Medikamente sind sogenannte VEGF-Hemmer. VEGF steht für Vascular Endothelial Growth Factors, auf Deutsch „vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktoren“. Die Wachstumsfaktoren sind die Gefäßneubildungen, die für ein Makulaödem sorgen und bluten können. Die VEGF-Hemmer oder VEGF-Inhibitoren sollen die undichten, neu gebildeten Gefäße stabilisieren und nach Möglichkeit zur Rückbildung bringen. Die Injektionen werden in regelmäßigen Abständen über Jahre, oft lebenslänglich, verabreicht. Die Therapie wird individuell angepasst. Der Verlust der Sehkraft kann so unter Umständen lange aufgehalten werden.

Beratung bei Selbsthilfe-Vereinen und „Blickpunkt Auge“

Sowohl Patientinnen und Patienten mit trockener als auch solche mit feuchter AMD sollten zu regelmäßigen Kontrollen eine augenärztliche Praxis aufsuchen.

Über die Bewältigung des Alltags mit einer Sehbehinderung informieren die Praxen und Kliniken in der Regel nicht zur vollen Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten. Selbsthilfeorganisationen wie die Landesvereine des DBSV und das Beratungsangebot des DBSV, Blickpunkt Auge, stehen für Fragen und Beratung rund um das Thema „Leben mit Sehverlust“ zur Verfügung.

Amsler-Gitter-Test

Der Amsler-Gitter-Test kann auf ein frühes Stadium der AMD hinweisen. Der Test ersetzt keinen Arztbesuch.

Quellen

  • AMD-Netz (https://www.amd-netz.de))
  • Berufsverband der Augenärzte (https://www.augeninfo.de/offen/start.php)
  • DBSV (https://dbsv.org)
  • Pro Retina (https://www.pro-retina.de)
  • Woche des Sehens (https://www.woche-des-sehens.de)
  • verschiedene Augenkliniken

Schwerpunktthema: AMD

Altersabhängige Makuladegeneration, kurz AMD, ist eine weitverbreitete Augenerkrankung, die viele ältere Menschen betrifft. Dieser Schwerpunkt informiert über die Krankheit und ihre Folgen. Im Interview stellt Jana Stasch-Bouws die Arbeit des AMD-Netzes vor, zwei Betroffene berichten über ihr Leben mit AMD, und Meldungen zeigen aktuelle Forschungsergebnisse auf.

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