Zugabe-Preis 2023 für soziale Neugründungen verliehen

Dr. Frank Hoffmann  ·  Bild: Bozica Babic

Sie kommen aus verschiedenen Branchen und haben im Alter von über 60 Jahren Unternehmen gegründet: Dr. Frank Hoffmann, Dr. Titus Bahner und Judith Grümmer haben nun für ihre, wie es in einer Pressemitteilung heißt, „innovativen und gesellschaftlich relevanten Gründungen“ den Zugabe-Preis 2023 erhalten. Er ist mit je 60.000 Euro dotiert und wird von der Körber-Stiftung vergeben.

Inklusionsunternehmen im Kampf gegen Brustkrebs

Dr. Frank Hoffmann (63), Gynäkologe aus Mülheim an der Ruhr, gründete 2011 sein gemeinnütziges Sozial- und Inklusionsunternehmen „discovering hands gUG“, um die Qualität der Brustkrebsfrüherkennung zu verbessern. Blinde und stark sehbeeinträchtigte Frauen werden zu „Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen (MTU)“ ausgebildet und ergänzen die fachärztliche Untersuchung. „Neben der gesteigerten medizinischen Vorsorge trägt ,discovering hands‘ zur Inklusion und finanziellen Unabhängigkeit blinder und sehbeeinträchtigter Frauen bei“, heißt es in der Begründung für die Auszeichnung.

Nachhaltige Landwirtschaft statt Rendite für Grund und Boden

Dr. Titus Bahner (62) aus Hitzacker hat mit der „Kulturland Genossenschaft“ ein Zukunftsmodell für Biolandwirtinnen und –landwirte sowie Bürgerinnen und Bürgern ins Leben gerufen. Ziel ist es, der zunehmenden Spekulation mit Grund und Boden entgegenzutreten und landwirtschaftliche Flächen für nachfolgende Generationen zu erhalten. Die Genossenschaft kauft mit den Anteilen ihrer Mitglieder Äcker, Weiden und Wald und stellt diese Flächen regional eingebundenen und ökologisch wirtschaftenden Bauernhöfen sowie Neugründerinnen und Neugründern zur Verfügung – unbefristet und unkündbar. Seit der Gründung 2014 wurden bundesweit rund 580 Hektar Land für mehr als 30 Bauernhöfe erworben. Die Genossenschaft hat 1.500 Mitglieder.

Audiobiografien als Vermächtnis

Judith Grümmer (64) aus Köln gibt Palliativ-Patientinnen und –Patienten eine Stimme, die bleibt: Mit ihrer gemeinnützigen Organisation „Familienhörbuch gGmbH“ bietet sie unheilbar erkrankten Müttern und Vätern die Möglichkeit, ihre persönlichen Lebensgeschichten kostenfrei und professionell als Audiobiografien für ihre minderjährigen Kinder aufzunehmen. Dabei erleben viele junge Eltern die Aufnahmearbeiten als Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Erkrankung. Für die Kinder bewahren die Hörbücher die Stimmen und Lebensgeschichten ihrer Eltern. Das Start-Up wurde 2019 gegründet und hat rund 200 Familienhörbücher produziert.

Über den Zugabe-Preis

Die Welt zu verbessern, ist in jedem Alter möglich. Mit dem Zugabe-Preis zeichnet die Körber-Stiftung jährlich Gründer und Gründerinnen im Alter von über 60 Jahren aus. Mit der Auszeichnung, die mit jeweils 60.000 Euro dotiert ist, werden drei Persönlichkeiten gewürdigt, die mit unternehmerischen Mitteln Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen gefunden und ein Sozialunternehmen aufgebaut haben.

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