Ungenutzte Möglichkeiten - Inklusionsbarometer Arbeit

Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren blickt, die linke Hand ans Kinn gelegt, nachdenklich auf einen Bildschirm mit stark vergrößerter Schrift.
Bild: DBSV/A.Friese

Für Menschen mit Behinderung hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt drastisch verschlechtert. Das ist das Ergebnis einer Studie von Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institutes. Nach wie vor beschäftigen viele Unternehmen keine Menschen mit Behinderung und nutzen Förderinstrumente nicht. Ein Grund für die Dauerkrise ist laut der Studie, dem Inklusionsbarometer Arbeit, die wirtschaftliche Gesamtsituation.

 

Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Behinderung ist im Jahr 2024 erneut gestiegen. Die Beschäftigungsquote hat sich nicht nur weiter von der gesetzlich verankerten Fünf-Prozent-Vorgabe entfernt, sondern ist auch auf den niedrigsten Wert seit Erscheinen des ersten Inklusionsbarometers 2013 gesunken. Diese Fakten zeigt die aktuelle Arbeitsmarktstudie der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institutes auf. Sie trägt den Titel Inklusionsbarometer Arbeit.

Die Arbeitslosenquote unter Menschen mit Behinderung liegt aktuell bei fast zwölf Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung erhöhte sich um nahezu sechs Prozent auf einen Jahresdurchschnitt von 175.236. Im Oktober 2025 waren bereits rund 185.400 Menschen mit Behinderung ohne Anstellung, knapp fünf Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahresmonat.

Die Sprecherin der Aktion Mensch, Christina Marx, zeigt sich besorgt und sagt: „Wir sehen uns mit einem drastischen Rückschlag für die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert. Es ist zu befürchten, dass es viele Jahre dauern und massive Anstrengungen erfordern wird, um diese Krise zu überwinden.“

Denn: Menschen mit Behinderung finden deutlich schwerer aus der Arbeitslosigkeit heraus. Dies gelang im Jahr 2024 weniger als drei Prozent von ihnen, während es bei Menschen ohne Behinderung mehr als sechs Prozent waren.

Unternehmen mit 20 oder mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind gesetzlich verpflichtet, mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze an Menschen mit Behinderung zu vergeben. Doch mit 4,4 Prozent sank die Quote auf den niedrigsten Stand, seit das Inklusionsbarometer Arbeit im Jahr 2013 erstmals erschien. Gleichzeitig stieg die Zahl an Unternehmen, die unter die Beschäftigungspflicht fallen. Das bedeutet: Trotz Verpflichtung beschäftigt mehr als jedes vierte Unternehmen keine Menschen mit Behinderung, weitere 35 Prozent tun dies nur in Teilen.

Insgesamt hat die Bereitschaft der Unternehmen, Menschen mit Behinderung einzustellen und dauerhaft zu beschäftigen, also weiter nachgelassen. Christina Marx sagt, dass Arbeitgeber ihre Chancen nicht ausschöpften. Sie erklärt: „Inklusion ist in diesen disruptiven Zeiten nicht etwa eine zusätzliche Belastung – sie ist ein Potenzial, das Unternehmen gerade jetzt widerstands- und zukunftsfähiger macht. Vielfältige Teams arbeiten häufig nicht nur kreativer und innovativer, sondern reagieren auch resilienter auf Veränderungen. Angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit und des vielfach noch immer herrschenden Fachkräftemangels ist Inklusion längst ein strategischer Erfolgsfaktor.“

Zahlreiche Angebote unterstützen Unternehmen dabei, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen: Es gibt finanzielle Förderungen, Beratungsprogramme und praktische Hilfen bei der barrierefreien Arbeitsplatzgestaltung. Die Potenziale sind vorhanden – sie müssen aber auch genutzt werden.

Wie Inklusion auf dem Arbeitsmarkt gelingen kann und was es dafür braucht, erzählt Franziska Sgoff aus ihrer persönlichen Erfahrung.

Zum Beitrag "Es geht um faire Voraussetzungen"

Inklusionsbarometer Arbeit

Seit 2013 erstellt das Handelsblatt Research Institute in Kooperation mit der Aktion Mensch jährlich das Inklusionsbarometer Arbeit. Basierend auf den jüngsten statistischen Daten der Bundesagentur für Arbeit und der Integrationsämter werden zehn Teilindikatoren ausgewertet. Diese geben Auskunft über den aktuellen Grad der Inklusion von Menschen mit Schwerbehinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ziel ist es, Ansatzpunkte zu identifizieren, mit deren Hilfe Inklusion vorangetrieben werden kann.

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