Herausragendes Engagement für Hörfilme - ein Nachruf für Mario Adorf

· Renate Reymann

Schauspieler Mario Adorf mit der früheren DBSV-Präsidentin Renate Reymann und DBSV-Geschäftsführer Andreas Bethke in Abendgarderobe.
Mario Adorf (links), Renate Reymann (Mitte) und Andreas Bethke (rechts) beim Deutschen Hörfilmpreis 2007  ·  Bild: DBSV

Der Schauspieler und langjährige Schirmherr des Deutschen Hörfilmpreises Mario Adorf ist am 8. April dieses Jahres verstorben. Die folgenden Worte hat Renate Reymann, die ehemalige DBSV-Präsidentin für den Mann gefunden, der den Deutschen Hörfilmpreis zu dem gemacht hat, was er heute ist.

Nachruf für Mario Adorf

Ende der 90iger Jahre war der Hörfilm noch weitgehend unbekannt. Trotzdem oder gerade deshalb hat Mario Adorf sich mit der Übernahme der Schirmherrschaft 2002 auf das Abenteuer Deutscher Hörfilmpreis eingelassen. Als er die Schirmherrschaft übernahm und den Deutschen Hörfilmpreis aus der Taufe hob, betrat auch er Neuland. Bis dahin war das Thema Blindheit im Zusammenhang Film nur durch Filmrollen präsent. Dass blinde Menschen Filme lieben, ohne sie zu sehen, war für ihn eine neue Erfahrung und wohl auch Motivation für die Übernahme der Schirmherrschaft. Der beliebte und viel beschäftigte Schauspieler nahm sich die Zeit und begleitete acht Jahre persönlich die Preisverleihungen. Preisträger und Gäste erlebten ihn bescheiden und doch stand er immer im Mittelpunkt.

Ich habe Mario Adorf stets als Gentleman erlebt, der viel zu erzählen hatte und doch nur erzählte, was er wollte. Er spielte im Film und auf der Bühne große Rollen und verkörperte starke Figuren. Die Schirmherrschaft über den Deutschen Hörfilmpreis war für Mario Adorf jedoch stets mehr als eine Rolle. Für blinde Menschen war sein Engagement von entscheidender Bedeutung. Immer wieder hat er bei Preisträgern und Gästen um Initiativen für die Audiodeskription geworben. Mario Adorf hat damit auf ganz besondere Weise dazu beigetragen, dass die Verleihung des Deutschen Hörfilmpreises medial und politisch Bedeutung erlangte.

Für dieses außergewöhnliche Engagement als Schirmherr des Deutschen Hörfilmpreises, für seine persönliche Leistung zur Förderung der Hörfilmangebote erhielt Mario Adorf 2009 den Ehrenpreis der Jury. Bei einer persönlichen Begegnung im Herbst 2009 erinnerte er sich gern an die gemeinsame Zeit während seiner Schirmherrschaft, er war dankbar für eine ganz wesentliche Erfahrung in seinem Leben. Mario Adorf bleibt in Erinnerung als eine Persönlichkeit, die mit Namen und Präsenz viele Menschen der Filmbranche neugierig gemacht hat auf den Hörfilm. Bis zum barrierefreien Zugang zu Film und Fernsehen war und ist es ein weiter Weg. Mario Adorf ist diesen Weg ein großes Stück erfolgreich mit uns gemeinsam gegangen.

Wir verneigen uns vor Mario Adorf, dem Grandseigneur des Films. Er wird uns stets in Erinnerung bleiben.

Renate Reymann, ehemalige DBSV-Präsidentin und Ehrenmitglied.

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