DBSV-Jugendclub ruft zu Feedback an Komoot auf

Jemand steht draußen auf Steinen und hält ein Handy mit der Navigations-App Komoot in der Hand. Darauf ist eine Route zu sehen. Der Mensch hat silberne Ringe und trägt eine grüne Jacke.
Bild: Komoot

Der DBSV-Jugendclub fordert blinde und sehbehinderte Nutzerinnen und Nutzer der Navigationsapp Komoot auf, dem Anbieter bestehende Barrieren zu melden. Betroffene sollen per E-Mail und in den sozialen Medien verstärkt auf Schwierigkeiten bei der Bedienung aufmerksam machen.

Noch vor vier Jahren wurde im offSight-Forum und in Seminaren des Jugendclubs zu digitaler Navigation Komoot als nicht ganz barrierefreie, aber doch sehr nützliche App für blinde und sehbehinderte Menschen empfohlen, die unabhängig die Natur erkunden wollen. Einige Updates später treten jedoch massive Barrieren bei der Bedienung auf. Standards der Barrierefreiheit wurden bei der Weiterentwicklung ignoriert, textbasierte Elemente wurden durch rein visuelle ersetzt.

Nach mehreren erfolglosen Kontaktversuchen ruft der DBSV-Jugendclub nun dazu auf, die Komoot GmbH durch E-Mails und Social-Media-Posts auf die Wichtigkeit der App für den Personenkreis seheingeschränkter Menschen aufmerksam zu machen.

Wer sich an dem Aufruf beteiligen möchte, kann sich an der Liste der fünf größten Barrieren orientieren, die im offSight-Forum und auf Sichtweisen-online zu finden ist. Ebenso können eigene Erfahrungen geschildert werden.

Barrieren können direkt an Komoot über die E-Mail-Adresse feedback@komoot.de gemeldet werden.

Fünf große Barrieren

Der DBSV-Jugendclub hat fünf Barrieren identifiziert, die die Nutzung für seheingeschränkte Menschen hauptsächlich erschweren.

1. Die Karte

Das größte Hindernis bei der Bedienung von Komoot mit dem iOS-Screenreader VoiceOver ist die Landkarte, die in der App angezeigt wird.

VoiceOver wird mit Wischgesten bedient, mit denen Nutzende vom ersten bis zum letzten Bildschirmelement navigieren können. Wird dabei die Karte fokussiert, ist VoiceOver außer Kraft gesetzt. Ee ist nicht möglich, mit einer weiteren Wischgeste die Karte zu verlassen und das nächste Bildschirmelement zu fokussieren.
Auch andere VoiceOver-Gesten werden dann nicht verarbeitet.

Die Karte kann nur verlassen werden, indem versucht wird, durch willkürliches Tippen ein anderes Bildschirmelement zu fokussieren. Für blinde Menschen ein Glücksspiel.

Gelingt das, kann wieder mit Wischgesten navigiert werden, oft stranden Nutzende dabei wieder auf der Karte. Gelingt es nicht, und das ist meistens der Fall, hilft nur, Komoot zu beenden und einen weiteren Versuch zu starten.

Die Karte sollte wie jedes andere Bildschirmelement mit einer Wischgeste wieder verlassen werden können. Noch besser wäre eine Option, die Karte gar nicht anzuzeigen.

Die Karte selbst ist für blinde Menschen nicht nutzbar. Kein Element auf der Karte kann im VoiceOver-Modus vorgelesen oder ausgewählt werden. Das führt beispielsweise dazu, dass im Tab „Entdecken“ zwar eine Adresse angeben werden kann, um Touren in der Nähe angezeigt zu bekommen, die gefundenen Touren können aber nicht angeschaut oder ausgewählt werden. Denn das Resultat: Erneutes Hängenbleiben auf der Karte.

2. Viele nicht beschriftete Schaltflächen

In der gesamten App sind viele Tasten nicht mit ihrer Funktion beschriftet. So gibt es etwa die Tasten „btn back white round normal, ic more navigation bar, ic plan plus normal“. Bei manchen Tasten wird nur die Rolle, also „Taste“ ausgegeben.

3. Nicht bedienbare Felder

Beim Planen einer Tour sind die Felder „Nur Hinweg“ und „Fitnesslevel“ mit VoiceOver nicht einstellbar. Weder die Rolle der Schaltfläche wird angesagt, noch reagiert sie auf VoiceOver-Gesten.

Es ist also nicht möglich, eine Rundtour zu planen oder eine anderes Fitnesslevel zu wählen.

4. Highlights sind nicht zugänglich

Ebenfalls beim Planen einer Tour werden Suchkriterien wie „Highlights“, „Campingplätze“ oder „Mit Hunden unterwegs“ ausschließlich auf der Karte angezeigt. Blinden Menschen ist dieses Feature also völlig unzugänglich.

In früheren Versionen wurde eine Liste gefundener Highlights als Text angezeigt, die mit VoiceOver navigiert werden konnte.

5. Fehlende Tabellenstruktur

Bei der Navigation einer Tour werden Werte wie "Durchschnitt", "Zurückgelegt", "Verbleibend" von VoiceOver ohne das jeweilige Label ausgegeben. Man hört also nur zusammenhanglos die Werte ohne die zugehörige Benennung. Also wird "800 Meter" angesagt, korrekt wäre „Verbleibend: 800 Meter“.

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