Glamouröse Garderobe, wortgewandte Live-Audiodeskription und Freudentränen gab es im Colosseum Filmtheater Berlin, als der DBSV zum 23. Mal den Deutschen Hörfilmpreis vergeben hat. Mit ADeles, in diesem Jahr beerenfarbene Keramiktrophäen, wurden Filmproduktionsteams für die beste Audiodeskription in ihrer jeweiligen Kategorie belohnt. Musik der Band Pudeldame begleitete den Abend.

Die Verleihung des 23. Deutschen Hörfilmpreises füllte am 25. März das Colosseum Filmtheater in Berlin mit Gästen aus allen Teilen der Republik. Prominenz aus der Filmbranche, Filmschaffende und Haupt- und Ehrenamtliche aus der Selbsthilfe saßen auf 525 petrolfarbenen Kinosesseln, angeordnet in 21 Reihen, der riesige Vorführraum erstrahlte in einem roten Lichtbad – so beschrieb Tomke Koop von HörMal Audiodeskription blinden und sehbehinderten Besucherinnen und Besuchern vor Ort und im Livestream das Szenario. Mit detaillierten und schlagfertigen Personenbeschreibungen führte sie gemeinsam mit Moderatorin Nadine Heidenreich, Schauspielerin, Synchronsprecherin und Moderatorin beim Rundfunk Berlin-Brandenburg, durch die Abendgala.
„Man hofft“, hieß der Song, mit der die Band Pudeldame um den sehbehinderten Sänger und Schauspieler Jonas Nay die feierliche Preisverleihung eröffnete. Auf eine Auszeichnung hoffen durften die Produktionsteams von 22 nominierten Filmen und Serien, deren Audiodeskription (AD) sehbehinderten und blinden Menschen die visuellen Werke zugänglich macht. Welche AD herausragend war, entschied die zehnköpfige, inklusive Jury um DBSV-Präsidiumsmitglied Jette Förster. Mitwirkende aus sechs AD-Teams, die in ihrer jeweiligen Kategorie gewonnen hatten, durften eine ADele mit nach Hause nehmen: Die Keramikfigur in einem dunklemn Beerenton stellt einen Frauenkopf dar, mit einer Hand vor den Augen und einer am Ohr.
Leicht hat es sich die Jury auch diesmal nicht gemacht. „Wir haben sehr viel miteinander gesprochen, sehr viel gelacht, sehr viel gestritten. Immer auf Augenhöhe“, erzählte Förster. [LM1]
Wie schwer es in den 90er Jahren war, Filmschaffende von der Wie schwer es in den Neunzigerjahren war, Filmschaffende von der Wichtigkeit von Audiodeskription zu überzeugen, daran erinnerte DBSV-Präsident Hans-Werner Lange mit seinen Eröffnungsworten. Und auch daran, wie erfolgreich sich die AD-Branche seither entwickelt hat mit hohen Standards in der Qualität. Standards, die in einer Zeit der knappen Budgets und angesichts von zunehmend durch Künstliche Intelligenz genutzten Stimmen, besonders zu bewahren seien.
Das im November 2024 verabschiedete Filmförderungsgesetz (FFG) verspricht in einigen Bereichen Verbesserungen: So müssen künftig barrierefreie Fassungen von Filmen auf allen Verwertungsstufen, also sowohl im Kino als auch im Fernsehen oder auf Streamingplattformen, verfügbar sein. Außerdem muss im Kino die AD bei der Erstvorführung vorhanden sein. Etwas Kritik am FFG hatte Awet Tesfaiesus: „Es ist wichtig, die Betroffenen mit am Tisch zu haben, damit sie mitverhandeln und ihre Perspektive einbringen können.“ Damit bezog sie sich auf den Diversitätsbeirat, der nicht etabliert wurde.
„Ohne AD wäre es nur ein halbes Vergnügen“, sagte Lange. DBSV-Geschäftsführer Andreas Bethke teilte seine Freude mit den Anwesenden über seinen Besuch der diesjährigen Berlinale, bei der er mit der Filmbranche feiern und sich dank Audiodeskription zugehörig fühlen konnte.
Die Gewinner der ADele 2025
Folgende Audiodeskriptions-Teams erhielten den Deutschen Hörfilmpreis der jeweiligen Kategorie.

Spielfilm – Kino
Vena
Drama/Narrative - Deutschland 2024
- Regie: Chiara Fleischhacker
- Mit Emma Nova, Paul Wollin, Friederike Becht, Liam Ben Ari u.a.
- Eingereicht von: D-Facto Motion
- AD-Team: Karina Saligmann, Wolfgang Liebig, Regisseurin Chiara Fleischhacker (mitwirkend)
- Sprecherin: Laura Storz
Auszug aus der Laudatio
Die Audiodeskription des Films „Vena“ besticht durch ihre präzise und zugleich einfühlsame Sprache, die die Zerrissenheit der Hauptfigur Jenny eindrucksvoll widerspiegelt. Die AD versteht es gekonnt, die beklemmende Atmosphäre des Plattenbaus, die drastischen Szenen und die intensive Mimik der Protagonisten in stimmige Sprachbilder zu transportieren.

Spielfilm TV/Mediatheken/Streaming
Ein Mann seiner Klasse
Sozialdrama/Literaturverfilmung - Deutschland 2024
- Regie: Marc Brummund
- Mit Camille Moltzen, Leonard Kunz, Svenja Jung, Mercedes Müller, Len Blankenberg u.a.
- Eingereicht von SWR - Südwestrundfunk
- AD-Team: Silke Bauer, Anja Funk, Stefan Zeh
- Sprecherin: Susanne Reuter
Auszug aus der Laudatio
Die besondere Herausforderung, die Gewaltexzesse des Vaters zu beschreiben und dennoch objektiv zu bleiben, ist hier sehr gut gelungen. Die Stimme von Susanne Reuter offenbart dabei die Gefühlswelt der Figuren, ohne wertend zu wirken. Besonders beachtlich fand die Jury, wie gut sich Stimme und Text in den Film einfügen.

Serie
Ich bin Dagobert
True-Crime-Serie - Deutschland 2024
- Regie: Hannu Salonen
- Mit Friedrich Mücke, Luca Anker, Sonja Gerhardt, Moritz Führmann, u.a.
- Eingereicht von audioskript
- AD-Team: Flora Buchinger, Bernd Hettlage, Lisa Madl, Jonas Hauer, Alexander Fichert, Maria Bartels, Jörn Steinhoff
- Sprecherin: Nadja Schulz-Berlinghoff
Auszug aus der Laudatio
Mit sorgfältig eingepassten und lebendigen Beschreibungen gelingt es dieser Audiodeskription, der anspruchsvollen Dramaturgie der Serie gerecht zu werden. Die komplexe Handlung mit ihren schnellen Schnitten, wechselnden Schauplätzen und detailreichen Szenen wird präzise und lebhaft vermittelt.

Dokumentation
Unsere Wälder – Netzwerk der Tiere
Naturdokumentation - Deutschland 2024
- Regie: Jan Haft
- Eingereicht vom Norddeutschen Rundfunk (NDR)
- AD-Team: Stefanie Schruhl, Doris Würfel, Martin Ovelgönne, Uschi Heerdegen-Wessel, Regina Hinz
- Sprecherin: Beate Rysopp
Auszug aus der Laudatio
Die Genauigkeit und der sprachliche Reichtum beeindruckten die Jury bei dieser Audiodeskription besonders. Die poetische Bildsprache und die faszinierende Vielfalt der Natur in präzise und atmosphärisch dichte Beschreibungen zu fassen, gelingt dem AD-Team bravourös.

Kinder- und Jugendfilm
Wish
Animationsfilm - USA 2023
- Regie: Chris Buck
- Eingereicht von The Walt Disney Company
- AD-Team: Tania Eichler-Ojake, Jonas Hauer, Matthias Busch, Sebastian Baack, Jacqueline Keck, Paul Arnstedt, Daniela Bringer
- Sprecher: Uve Teschner
Auszug aus der Laudatio
Die Jury lobte vor allen Dingen, wie fantastisch sich die AD in das stellenweise rasante Tempo des Films einfügt. Beeindruckend fand sie auch die perfekte Harmonie zwischen Audiodeskription und Musik, die dafür sorgt, dass vielfältige und lebendige Bilder im Kopf des kleinen und großen Publikums entstehen können.

Filmerbe
Paris, Texas
Drama/Independent - Frankreich, Deutschland 1984
- Regie: Wim Wenders
- Mit Harry Dean Stanton, Nastassja Kinski, Dean Stockwell, Aurore Clément, Hunter Carson u.a.
- Eingereicht von der Wim Wenders Stiftung
- AD-Team: Rahel Wusterack, Klaus-Jörg Kaminski, Roger Zepp, Felix Hildebrand, Milan Pfützenreuter
- Sprecherin: Uta-Maria Torp
Auszug aus der Laudatio
Die Hörfilmfassung meistert es auf beeindruckende Weise, die bildgewaltige und zutiefst emotionale Atmosphäre des Films einzufangen. Exzellent gelingt es dem AD-Team, die herausfordernd wortkargen, aber ausdrucksstarken Momente des Films mit feinsinniger Sprache und genauen Beschreibungen zu füllen.

Publikumspreis
Sieger sein
Kinderfilm/Drama - Deutschland 2024
- Regie: Soleen Yusef
- Mit Dileyla Agirman, Andreas Döhler, Sherine Ciara Merai, Peri Baumeister u.a.
- Eingereicht vom DCM Pictures
- AD-Team: Matthias Huber, Beatrix Hermens, Cathi Matthies, Yvonne Seitenglanz, Sebastian Heyser, Olaf Mehl
- Sprecherin: Victoria Schätzle
Noch mehr Hörfilmpreis
Weitere Informationen, Pressebilder und die Aufzeichnung des 23. Deutschen Hörfilmpreises gibt es auf der Hörfilmpreiswebsite.

Förderer
Der Deutsche Hörfilmpreis wird seit 2002 vom DBSV verliehen und durch die Aktion Mensch gefördert. Hauptsponsor ist Pfizer Deutschland. Weitere Sponsoren und Förderer sind die Novartis Pharma GmbH, bliq, die Herbert Funke Stiftung, die Blindenstiftung Deutschland und St. Kilian Distillers GmbH.